Der Fall Ilia Schkolnyi: Abschiebung eines Oppositionellen nach Russland stoppen!

Update 31.03.2026

Heute haben wir eine wichtige Entscheidung des Gerichts erhalten:
Die Abschiebung wurde gestoppt.
Die im Folgeantrag vorgelegten Beweise wurden als ernsthaft und relevant anerkannt.

Das bedeutet noch nicht, dass nun automatisch Asyl oder ein Aufenthaltstitel gewährt wird – das Verfahren läuft weiter.

Aber das Wichtigste ist:
Die Abschiebung ist vorerst ausgesetzt, und Ilia Schkolnyi wird aus der Haft entlassen.

Schon zu Beginn war absehbar, wohin die verschärfte Abschiebepolitik der Bundesregierung führen würde: Sie wird nicht nur „irreguläre Migration begrenzen“, sondern vor allem jene treffen, die längst Teil unserer Gesellschaft geworden sind.

Menschen, die arbeiten, studieren, Deutsch sprechen, sich engagieren – und trotzdem jederzeit Gefahr laufen, abgeschoben zu werden.

Der Fall von Ilia Schkolnyi zeigt das besonders deutlich.

Der konkrete Fall

Ilia Schkolnyi ist ein russischer Oppositioneller, der nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Jahr 2022 nach Deutschland kam.

In Russland hatte er sich politisch engagiert: Er nahm an Protesten teil, unterstützte eine bekannte Anti-Korruptionsorganisation aus dem Umfeld eines prominenten Oppositionspolitikers und war in oppositionellen Strukturen aktiv.

Diese Organisationen gelten in Russland heute als extremistisch. Schon die Unterstützung oder finanzielle Beteiligung kann zu langen Haftstrafen führen. Aus Angst vor politischer Verfolgung verließ Ilia Russland und kam nach Deutschland.

Hier begann er ein neues Leben:

  • Studium im Master an der Universität Bayreuth
  • sehr gute Deutschkenntnisse (C1)
  • ehrenamtliches Engagement
  • Heirat mit einer deutschen Staatsbürgerin

Er war bereit, dauerhaft hier zu leben und zu arbeiten. Die Universität war sogar bereit, ihn zu beschäftigen. Und dennoch wurde sein Asylantrag abgelehnt.

Festnahme und drohende Abschiebung

Am 11. März 2026 wurde Ilia Schkolnyi in Bayreuth von der Polizei festgenommen – wegen angeblicher Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht. Seitdem befindet er sich in Abschiebehaft in Hof. Die Begründung der Behörden ist formal: Er sei mit einer falschen Visumskategorie eingereist und habe keinen gültigen Aufenthaltstitel.

Gleichzeitig wird ihm zugemutet, nach Russland zurückzukehren und von dort ein Visum zur Familienzusammenführung zu beantragen.

Doch genau das ist das Problem: Eine Rückkehr nach Russland ist für ihn nicht nur unzumutbar — sie kann gefährlich sein. Aufgrund seiner politischen Aktivitäten drohen ihm strafrechtliche Verfolgung und Haft.

Ein systemisches Problem

Der Fall ist kein Einzelfall. Er zeigt ein grundlegendes Problem der aktuellen Praxis:

Wenn politisch vor allem mehr Abschiebungen gefordert werden, führt das in der Realität oft dazu, dass vor allem diejenigen betroffen sind, die für die Behörden leicht erreichbar sind. Menschen mit festem Wohnsitz, mit Arbeit, im Studium oder mit Familie in Deutschland. Menschen, die nicht untertauchen, die erreichbar sind und die in geregelten Verhältnissen leben.

Gerade sie geraten schneller in den Fokus von Maßnahmen – nicht, weil sie „problematischer“ sind, sondern weil sie einfacher zu finden und zu greifen sind. Gleichzeitig bleiben andere Fälle oft unbeachtet oder sind für die Behörden schwerer umzusetzen.

Das Ergebnis ist eine Praxis, die faktisch nicht diejenigen trifft, die im politischen Diskurs gemeint sind – sondern häufig genau jene, die bereits Teil dieser Gesellschaft geworden sind.

Unsere Forderungen

Dieser Fall erfordert jetzt politisches Handeln – auf Landes- und Bundesebene.

Wir fordern:

An die Bayerische Staatsregierung:

  • Sofortige Aussetzung der Abschiebung von Ilia Schkolnyi
  • Prüfung eines humanitären Bleiberechts
  • Einschaltung der Härtefallkommission

An die Bundesregierung:

  • Neubewertung der Gefährdungslage für russische Oppositionelle
  • klare Leitlinien für den Umgang mit Personen, die mit oppositionellen Strukturen in Verbindung standen
  • sicherstellen, dass politisch Verfolgte nicht aus rein formalen Gründen abgeschoben werden

Jetzt handeln

Für Ilia Schkolnyi wurde eine Petition gestartet, die seine Abschiebung verhindern soll. Petitionen allein lösen solche Fälle nicht. Aber sie schaffen Öffentlichkeit – und genau diese Öffentlichkeit kann entscheidend sein.

Konkrete politische Verantwortung

Ich wende mich an alle bayrischen Mandatträger:innen sowie Bundestagsabgeordnete.

Was Sie konkret machen können:

1. Unmittelbar im Einzelfall handeln

  • sich direkt an das Innenministerium wenden und eine Aussetzung der Abschiebung anregen
  • bei der zuständigen Ausländerbehörde auf eine Duldung hinwirken, bis der Fall abschließend geprüft ist

2. Juristische Neubewertung ermöglichen

  • sich für eine erneute Prüfung des Falls durch die zuständigen Behörden einsetzen
  • darauf hinwirken, dass aktuelle Erkenntnisse zur Verfolgung von Oppositionellen in Russland berücksichtigt werden

3. Härtefallinstrumente nutzen

  • den Fall in die Härtefallkommission einbringen oder unterstützen
  • sich für eine humanitäre Aufenthaltserlaubnis einsetzen

4. Politische Verantwortung wahrnehmen

  • den Fall öffentlich thematisieren und politisch einordnen
  • parlamentarische Anfragen stellen, um Transparenz über die Entscheidungspraxis zu schaffen

5. Strukturelle Probleme angehen

  • klare Leitlinien für den Umgang mit politisch verfolgten Oppositionellen aus Russland entwickeln
  • sicherstellen, dass gut integrierte Menschen nicht aus rein formalen Gründen abgeschoben werden