Häusliche Gewalt ist kein privates Problem. Sie ist eine schwere Menschenrechtsverletzung und betrifft Menschen aller Altersgruppen, Herkunftsländer und sozialen Schichten. Besonders häufig sind Frauen betroffen. Viele Betroffene zögern jedoch, Hilfe zu suchen – aus Angst, Scham, finanzieller Abhängigkeit oder aufgrund von Sprachbarrieren.
Als Mitglied des Ausländerbeirats der Landeshauptstadt Dresden ist es mir wichtig, über dieses Thema aufzuklären und auf bestehende Hilfs- und Beratungsangebote in Dresden aufmerksam zu machen.
Was bedeutet häusliche Gewalt?
Wenn von häuslicher Gewalt gesprochen wird, denken viele Menschen zuerst an körperliche Übergriffe oder sexualisierte Gewalt. Tatsächlich umfasst häusliche Gewalt jedoch mehrere Formen, die häufig gemeinsam auftreten und sich gegenseitig verstärken.
Nach der Definition der Fachberatungsstelle des Frauenschutzhaus Dresden e.V. gehören dazu insbesondere:
Körperliche / physische Gewalt
Dazu zählen unter anderem Stoßen, Schlagen, Ohrfeigen, Treten, Würgen, an den Haaren ziehen, das Werfen von Gegenständen, das Überschütten mit Flüssigkeiten, Verbrennungen, Angriffe mit Gegenständen (z. B. Messer oder Gürtel) bis hin zu Mordversuchen oder Tötungsdelikten.
Sexualisierte Gewalt
Hierzu gehören Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, sexuelle Nötigung und sexuelle Belästigung – auch innerhalb von Partnerschaften oder Ehen.
Psychische Gewalt
Psychische Gewalt äußert sich z. B. durch Beleidigungen, Demütigungen, Abwertung, Drohungen, Schreien, extreme Eifersucht, Kontrolle sozialer Kontakte, soziale Isolation, das Zerstören persönlicher Dinge oder das systematische Herunterspielen bereits ausgeübter körperlicher Gewalt.
Ökonomische Gewalt
Ökonomische Gewalt bedeutet, dass der Zugang zu Geld kontrolliert oder verweigert wird, dass Geld zugeteilt wird oder als Mittel zur Belohnung und Bestrafung eingesetzt wird – mit dem Ziel, Abhängigkeit zu schaffen.
Wichtig: Diese Gewaltformen treten selten isoliert auf. Häusliche Gewalt hat viele Gesichter und entwickelt sich oft schleichend.
Eine ausführliche und fachlich fundierte Beschreibung der verschiedenen Gewaltformen bietet die Beratungsstelle des Frauenschutzhauses Dresden:
👉 FRAUENSCHUTZHAUS Dresden e.V.
Hilfe holen ist kein Verrat – sondern ein Recht
Viele Betroffene fragen sich:
- „Was passiert, wenn ich Hilfe suche?“
- „Verstehe ich die rechtlichen Folgen?“
- „Gibt es Beratung in meiner Sprache?“
Wichtig zu wissen:
👉 Beratung ist kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym.
👉 Dolmetscher:innen können organisiert werden.
👉 Der Aufenthaltsstatus steht einer Beratung nicht entgegen.
Beratungs- und Schutzangebote in Dresden
Frauenschutzhaus Dresden e.V.
Das Frauenschutzhaus bietet akuten Schutz, Beratung und sichere Unterbringung für Frauen und ihre Kinder, die von häuslicher Gewalt betroffen sind.
- Fachberatung bei häuslicher Gewalt, Stalking und Bedrohung
- Aufnahme ins Frauenhaus bei akuter Gefahr
- Unterstützung bei rechtlichen und sozialen Fragen
- Mehrsprachige Beratung mit Dolmetscher:innen möglich
📞 Notruf / Erstkontakt: 0351 281 77 88
sowieso Frauen für Frauen e.V.
Eine psychosoziale Beratungsstelle für Frauen in belastenden Lebenssituationen – auch bei Gewalt- und Gewalterfahrungen.
- Vertrauliche Einzelberatung
- Unterstützung bei Trennung, Krisen und Neuorientierung
- Bei Bedarf Organisation von Sprachmittlung
🌐 https://www.frauen-ev-sowieso.de
Ausländerrat Dresden e.V.
Beratungsstelle für Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte. Besonders wichtig bei sprachlichen oder aufenthaltsrechtlichen Fragen.
- Sozial- und Verweisberatung
- Unterstützung im Umgang mit Behörden
- Mehrsprachige Beratung, u. a. Russisch und Ukrainisch (je nach Verfügbarkeit)
🌐 https://www.auslaenderrat.de
Bundesweites Hilfetelefon – auch mehrsprachig
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen
Telefon: 116 016
- Rund um die Uhr erreichbar
- Kostenlos, anonym, vertraulich
- Beratung in vielen Sprachen
- Vermittlung zu lokalen Angeboten in Dresden
In akuten Notfällen
📞 Polizei: 110
Wenn du oder jemand anderes unmittelbar in Gefahr ist, zögere nicht, den Notruf zu wählen.
